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„When I find myself in times of trouble, Mother Mary comes to me
Speaking words of wisdom, let it be.
And in my hours of darkness, she is standing right in front of me
Speaking words of wisdom, let it be“
~ the Beatles, Let it be
Ich habe für mein Gewerbe bewusst weniger einen Namen, als vielmehr eine Art Titel ausgesucht.. „Stellamantis“ ist also nicht mein Künstlername, sondern die Beschreibung dessen, was ich tue.
Für diejenigen, welche sich für für die Bedeutung interessieren, führe ich das hier natürlich gerne weiter aus, aber selbstverständlich ist das Durchlesen kein Muss.
„Stellamantis“ beinhaltet zunächst die Worte „Stella“ (lat. „Stern“) und „Mantis“ (altgr. μάντις, „Seher*in“ / „Wahrsager*in). Ausserdem ist „Mantis“ auch semantisch eng mit „Mantik“, bzw. „Mantiké techné“ (altgr. μαντική τέχνη, „Kunst der Zukunftsdeutung“) verwandt. Frei übersetzt heißt Stellamantis also erstmal soviel wie „Sternseher*in“. Dies macht für mich in sofern Sinn, als dass Orakeln immer den Aspekt der Selbsterkenntnis, der Beschäftigung mit dem, was in einem angelegt ist und was es in diesem Leben potentiell zu verwirklichen gilt, beinhaltet.
Man beschäftigt sich also sowohl mit äußeren energetischen Qualitäten, also dem, wie etwas momentan sensitiv gestimmt ist und wie es sich entwickelt, als auch mit dem „inneren Stern“, den inneren Qualitäten wie Begabung und Charakteristik, welche in diesem Leben einen Ausdruck finden wollen. Gewissermaßen in Anlehnung an das Gesetz der Analogie: „Wie oben, so unten; wie innen, so außen .“ („Das Kybalion“).
Darüber hinaus nimmt der Name, oder Titel wenn man so will, natürlich Bezug auf einen äußerst bekannten Beinamen – „Stella Maris“, Stern des Meeres. Eine der Anrufungen für die christliche Maria.
Für mich, die ich weder christlich erzogen wurde noch mich einer Religion zugehörig fühle, stellt Maria vordergründig den Aspekt des Weiblichen im Christentum dar. Ihre Attribute und sonstigen Beinamen lassen Rückschlüsse auf weitaus ältere Göttinnen und Archetypen des Mütterlichen ziehen, welche in unserem Kulturraum einst verehrt wurden.
Beispielsweise geht das mythologische Motiv der Venusgeburt auch auf diese maritime Assoziation des Femininen zurück. Die römische Venus, Göttin der Liebe und der Schönheit, welche das Pendant zur griechischen Aphrodite darstellt und der Sage nach einer Muschel im Meer in aller ihr gebührenden Anmut entstieg, ist nur eine der vielen Göttinnen, welche „unsere liebe Frau“ unter ihrem Sternenmantel durch die Zeiten der christlichen Inquisition schmuggelte. Als Mutter Maria mit Jesuskind auf dem Arm ähnelt sie stark der ägyptischen Isis, auf deren Schoß der kleine Horus sitzt. Und auch die afrobrasilianische Yemayá, die Muttergottheit und eine der wichtigsten Göttinnen in Candomblé und Umnbanda, erinnert in Farbgebung (blau-weiß) und Meerbezug an die
Stella Maris.
Meerstern, Maria im Strahlenkranz, Mondsichelmadonna. Die lunare und stellare Symbolgebung spricht hinsichtlich all der Himmels-, Sternen- und Mondgöttinnen Bände. Sogar die urweibliche (und eher unbeliebte) Attribution der Schlange konnte innerhalb der Mariendarstellung die Jahrtausende überdauern – und schlummert so bis heute mit ihrer doppelbödigen Bedeutung zu Füßen unserer Lady.
Schön und gut, aber wieso nehme ich darauf Bezug?
Wir leben, laut esoterischer Lehren aus den verschiedensten Kulturen, in einer von Polarität bedingten Welt. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass das, was uns umgibt, im Wesentlichen durch das Zusammenspiel zweier sich ergänzender Pole hervorgebracht und stetig neu geformt wird. Das geometrische Abbild des Lebens wäre somit nicht die Linie als Symbol der Linearität, wie wir unser Sein häufig durch die Linse der westlichen Moderne wahrnehmen, sondern vielmehr der Kreis.
Vielleicht heißt es daher auch „Kreislauf des Lebens“.
Diese beiden Pole wurden innerhalb des Esoterischen häufig mit „weiblich“ und „männlich“ umschrieben – ein Schema, welches heutztage etwas aus der Zeit gefallen anmutet, und das auch zurecht. Die Dekonstruktion gesellschaftlicher Geschlechterollen und -stereotype beißt sich mit ihrer pauschalisierenden, binären Darstellung innerhalb der esoterischen Literatur der letzten Jahrhunderte. Kein Wunder, weil Geistestraditionen natürlich auch den jeweiligen Zeitgeist in sich tragen. Da Spiritualität nie mit Dogmatismus verwechselt werden oder einher gehen sollte, ist es daher im gegenwärtigen Jahrhundert meiner Ansicht nach unsere Aufgabe, neu gewonnene Erkenntnisse und Denkansätze in das esoterische Weltbild zu integrieren und gleichzeitig eine differenziertere, zeitgemäßere Beschreibung dessen zu finden, was unsere Vorfahr*innen mutmaßlich ausdrücken wollten. Spirituelle Traditionen beinhalten einen Erfahrungsschatz, welcher generationell beinahe bis zu den Wurzeln menschlichen Lebens auf diesem Planeten zurückreicht.
Und dieses Leben war von Epoche zu Epoche bedingt durch die jeweiligen Kulturen und die darin vorherrschenden Konventionen, Herausforderungen, Anspruchshaltungen, Krisen und Paradigmen.
Zurück zum Konzept der Polarität. Das Modell der Pole, welche die Pendelbewegung, die „Schwingung“ hervorbrachten, die als Anstoßpunkt des Seins begriffen wird, ist erstmal nicht mehr und nicht weniger als eben dies – ein Modell. Der Versuch, etwas für den menschlichen Horizont beschreiblich zu machen, was diesen selbstverständlich übersteigt. Und da ein Modell per Definition die schematische, vereinfachte Darstellung oder Abbildung eines „Objektes“, ob nun philosophischer oder physischer Natur, ist, wird entsprechend seiner Funktion Komplexes etwas überschaubarer stilisiert dargestellt. Die Pole dieses Modells bilden jeweils nämlich nur das Ende einer Skala ab, auf derer sich der Facettenreichtum ihrer Zusammensetzung auftut.
Als problematisch wird heutzutage oftmals die einst vorherrschende Assoziation von bestimmten Charakteristiken bezogen auf die heteronormative Zweiteilung in „männlich“ und „weiblich“
angesehen. Männlichkeit wurde gleichsam mit Adjektiven wie „aktiv, impulsiv, strebend, rational, linear, …“ konnotiert, wohingegen Weiblichkeit mit Zuschreibungen wie „passiv, ruhend, bewahrend, intuitiv, kreativ, …“ besetzt war. Die aufgeführten Gegensatzpaare machen innerhalb ihrer jeweiligen polaren Ausformung durchaus Sinn, ihre geschlechtliche Zuschreibung jedoch weniger, da sie dem Empfinden vieler Menschen innerhalb ihrer eigenen geschlechtlichen Identität nicht gerecht wird. Doch da wir alle ein winziges Puzzelteil in diesem großen, Ganzen darstellen, dürfen wir auch innerhalb der Spiritualität den Status Quo anpassen, wenn dieser dem Denken und Fühlen einiger Menschen nicht entspricht.
Wenn wir unseren Blick über den kulturell westlichen Horizont erheben und uns in süd-östlicher Richtung orientieren, können wir unserem Polaritätskonzept einiges an philosophischer Tiefe hinzufügen und seine geschlechtliche Aspektierung etwas neutralisieren. Nicht, dass unsere spirituelle Tradition keinerlei Tiefgang hätte, das meine ich ganz und garnicht. Doch manchmal hilft es, sich in ein andersartiges Netzwerkwerk aus Gedanken und Glaubensansätzen hineinzubegeben, um den Blick für die kulturellen Konzeptionen, welche einen wie selbstverständlich umgeben, zu öffnen.
Im buddhistisch-hinduistisch geprägtem Kulturraum, besonders in der Tradition des Tantra-Buddhismus, treffen wir auf Shiva and Shakti. Auch hier bleibt die geschlechtliche Zuschreibung erstmal nicht außen vor, schließlich stellt Shiva einen der höchsten und meist verehrten Götter innerhalb des hinduistischen Pantheons dar, an seiner Seite die Göttin Parvati, seine Frau und die göttliche Manifestation von Shakti, der „weiblichen Urkraft“. Allerdings gibt es innerhalb des bereits erwähnten Tantrismus, einer Strömung im Buddhismus, die etwas diplomatischere Ausformulierung als spirituell-energetisches Konzept: Shiva repräsentiert hier das reine, unveränderliche Bewusstsein, ewiglich und allumfassend. Shakti hingegen steht für die Manifestationskraft, für die Energie, durch welches sich dieses Bewusstsein ausdrücken und Form annehmen kann.
Ein Stück weiter östlich kommen wir mit dem chinesischen Prinzip von Yin und Yang in Berührung.
Yang als das „aktive Prinzip“ greift Zuschreibungen wie hell, hart, heiß, positiv und dynamisch auf, wohingegen Ying sich als das „passive Prinzip“ durch Eigenschaften wie dunkel, weich, kalt, negativ und ruhig ausdrückt.
Auch hier finden sich „männlich“ (dem Yang zugeordnet) und „weiblich“ (dem Yin zugeordnet) unter den Gegensatzpaaren wieder, jedoch beschreiben sie, sozusagen auf Augenhöhe mit den anderen, lediglich einen Aspekt innerhalb des polaren Wechselspiels – und sind weniger deren übergeordnete Wirkkräfte.
Da unser spirituelles Weltverständnis sich durch die menschliche Kulturgeschichte nicht zuletzt aus den Erfahrungen, welche unsere Vorfahr*innen mit der „anderen Seite“ gemacht haben, entwickelt hat, bin ich persönlich der Meinung, dass ihren Wahrnehmungen hinsichtlich dessen, trotzdem sie heutzutage als antiqiuert und überholt abgetan werden könnten, mit einem gewissen Respekt zu begegnen ist.
Ja, sie mögen aus heutiger Sicht unvollständig und einschränkend anmuten, jedoch ist
gerade dies das Schöne an spiritueller Entwicklung: Sie ist nie abgeschlossen, sondern fließt mit dem Zeitgeist. Wir müssen also, meiner Ansicht nach, nicht mit der spirituellen Abrissbirne daherkommen und alles für Quatsch erklären, sondern können anknüpfen, ausbauen, erweitern und ausfeilen – und vielleicht auch einiges ad acta legen, aus dem wir gesellschaftlich heraus gewachsen sind, ja.
Die oben genannte Maria, deren Beiname Stella Maris mich, wie bereits erwähnt, unter anderem zu „Stellamantis“ (um mal aufs Thema zurück zu kommen) inspiriert hat, ist innerhalb des polaren Prinzips als christliche Muttergottheit gewissermaßen die Verkörperung des Yin-Aspekts – des passiven, empfangenden Prinzips.
Da Orakeln als magische Praxis dem passiven Ausüben von Magie zugehörig ist (das aktive Ausüben geschieht beispielsweise in Form von magischen Ritualen und Zaubern), fand ich dies somit eine schöne und passende Analogie.
Über die Jahrtausende hinweg wurde der Yin-Aspekt, das passive, feminine, „weibliche“ Prinzip immer vehementer in den Hintergrund gedrängt und innerhalb der patriachalen Weltreligionen geleugnet, dämonisiert, unterworfen, entmündigt und verfolgt.
Trotz alledem ließ sich die wohl tief im Menschen verankerte Sehnsucht nach einer spirituellen Hinwendung zum göttlich Weiblichen nicht vollends auslöschen und beschwor im Gegenteil in christlicher Hinsicht einen regen Kult um die Gottesmutter herauf. So ist sie gleichsam Lebensspenderin als auch Totengöttin, in deren Arme sich Gläubige auf der ganzen Welt in den Stunden des Sterbens flüchten.
Heutzutage verliert Religion immer mehr an Bedeutung, was jedoch der übermäßigen Yang-Dynamik innerhalb unserer Gesellschaft mit ihrer „harder, better, faster, stronger“ – Mentalität (Grüße an Daft Punk) nicht unbedingt abträglich ist.
Unser westlicher Blick auf die entzauberte Welt ist von linearen Denkstsrukturen geprägt, und alles was sich links und rechts davon abspielt fristet – nach wie vor – eher ein Schattendasein.
Magisches Denken – einst ein fixer, unverrückbarer Bestandteil des menschlichen Gesamtausdrucks – wird in unserer Kultur gerne mal mit hochgezogenen Augenbrauen, spöttischem Lächeln und abfälligen Bemerkungen quittiert, gilt als primitiv, rückwertsgewandt, überholt – wer glaubt denn schon an „sowas“?
Den Einbußen an seelischem Reichtum, welchen diese materialistische Weltsicht meiner Ansicht nach notgedrungen mit sich bringt, dem transgenerationalen Wissen darum, dass wir alle mit allem verbunden und eingebettet sind im großen Netz des Lebens, im „Wyrd“ (altnordische Bezeichnung für das Schicksalsnetz, in welchem alles mit allem verflochten ist), wird andererseits nur mäßige Beachtung geschenkt.
Aus all den hier ausformulierten Beweggründen ist mir die Betonung des passiven Prinzips und seiner naturgegeben Daseinsberechtigung innerhalb meiner Arbeit ein besonderes Anliegen.
